Die Anfänge der Befestigung sind unklar. Legendenhaft wird von einem befestigten Lager bereits zur Zeit der Ungarnkriege im 10. Jahrhundert berichtet, auch über die Ausdehnung von eventuellen Vorläufern der heutigen Befestigung ist nichts bekannt. Urkundlich erwähnt ist ein mit Erdwällen und Holzplanken befestigtes Goslar erstmalig 1073 während der Sachsenkriege, sowie 1181 ein Burgum außerhalb des Pfalzbezirks im Bereich zwischen Vititor und Kloster Neuwerk (Rosentor), ebenfalls ohne genauer definierte Abgrenzung.Urkundliche Belege, die Aufschlüsse über den genaueren Verlauf einer Stadtmauer erlauben, finden sich erst ab dem 13. Jahrhundert, in dem die ummauerte Stadt offensichtlich bereits komplett die heute noch sichtbare Ausdehnung hatte. Die mittelalterliche Stadtmauer war in ihrer letzten Ausgbaustufe Anfang des 16. Jahrhunderts bis zu 10m hoch, ca. 1,5 m stark, mit einem überdachten, schiefergedeckten Wehrgang, zu dem ca. 180 aufgesetzte kleine Mauertürmchen gehörten, dazu mehrere runde oder halbrunde steinerne Türme. In und aus der Stadt führten 4 Haupttore (Breites Tor, Klaustor, Vititor, Rosentor, ursprünglich mit jeweils einer Kapelle des Schutzheiligen (St. Bartholomäus bzw. St. Daniel, St. Nicolaus, St. Vitus, Sta. Maria) über der Tordurchfahrt), ein paar kleinere Tore und Durchlässe, Mauertürme, sowie ein vorgelagerter Graben. Dazu kam in der Mauer die Absicherung der Durchflüsse der Gose in und aus der Stadt, die beiden soganannten Wasserlöcher. Eine Landwehr mit Warten diente als Sicherung im weiteren Vorfeld der Stadt.Aufgrund des damaligen Reichtums und der Bedeutung Goslars wegen des umfangreichen Silber-und Kupferbergbaus im Rammelsberg einerseits, und des für die Stadt bedrohlichen Fortschritts der Waffen- und Belagerungstechnik andererseits, wurde die Stadtbefestigung vom Ende des 15. Jahrhunderts bis 1519 massiv auf den damals neuesten Stand ausgebaut: ein der Stadtmauer vorgelagerter Wall, davor ein weiterer breiter und teils flutbarer Graben und auf dessen Außenseite eine Feldmauer. Wall und die Vortore vor den wichtigsten Toren wurden mit ein paar mächtigen runden, geschützbewehrten Türmen verstärkt, von denen der Batterieturm „Zwinger“ mit 6,5m Wandstärke zu den imposantesten derartigen Bauwerken des frühen 16. Jahrhunderts in Deutschland zählt. Die lukrativen Bergrechte am Rammelsberg lagen eigentlich beim Herzog von Braunschweig, waren allerdings als Pfand 1296 an Goslar gelangt. 1527 entschloß sich der Herzog, dieses Pfand durch Zahlung wieder einzulösen, was Goslars Wirtschaft bedrohte und zu einem bis 1552 anhaltenden Konflikt führte, in den auch das Reich einbezogen war und der zeitweise sogar zur Ächtung der Stadt Goslar führte. Eine herzogliche Belagerung 1527 konnte die Stadt dank ihrer guten Befestigung noch abweisen, sah sich aber veranlaßt, ihre Verteidigungsanlagen 1537-1546 zu erneut zu modernisieren und weiter zu verstärken (u.a. Installation von beschussichereren Kasematten zur Verteidigung der Wallgräben). 1552 griff der Herzog die Stadt trotz kaiserlichen Schutzbriefes für die Goslar an, das sich mangels Vorbereitung ergeben mußte und im folgenden Friedensvertrag endgültig seine Einkünfte aus dem Bergbau verlor. Seitdem war die hochverschuldete Stadt nicht mehr in der Lage, in weitere umfangreichere Modernisierungen der Befestigungsanlagen zu investieren, die aber immerhin 1626 noch ausreichten, einen Angriff durch Herzog Christian scheitern zu lassen. Goslars erhaltene, teils imposante Befestigungsteile dokumentieren daher den Stand der Befestigungstechnik bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts.Ab Ende des 18., vor allem jedoch im 19. Jahrhundert, folgte der Abbruch der meisten Toranlagen sowie großer Teile der Mauer, die Einebnung von Teilen von Wall und Gräben bzw. die Umnutzung des äußeren Grabens auf der Nordseite als Eisenbahntrasse und anderswo als Grünanlagen oder Straßent
Goslar und der Rammelsberg, 1574