Burgstall

Lage

Bundesland
Bayern
Landkreis
Ort
94554 Moos-Burgstall
Adresse
Burgstall 3
Lage
unmittelbar sö Burgstall
Koordinaten
48.74335°, 12.94457°

Beschreibung

Unter Nutzung der Steilhänge des Isar-Hochufers und von dessen Einschnitten befand sich auf der Hochfläche über der Gabelung zweier Römerstraßen samt Isarbrücke zunächst ein nur ca. 50 Jahre genutztes römisches Kastell mit einer Grassodenmauer und einem umlaufenden Spitzgraben von 8 m Breite und 4 m Tiefe, an das ein Lagervicus (Siedlung) angrenzte, der noch über die Aufgabe des Kastells hinaus bis ins 3. Jahrhundert besiedelt war. Der größere Teil des Römerkastellbereichs fiel irgendwann nach dessen Aufgabe einer vorübergehenden Verlagerung des Isarverlaufs zum Opfer, der große Teile des Hochufers hier wegspülte. Der verbliebene südliche Teil des Kastells wurde archäologisch nachgewiesen und untersucht, ist oberflächlich aber nicht zu erkennen. Ab dem 7. Jahrhundert gewann der Platz aufgrund von Fortnutzung der alten Römerstraßen in früher baiuwarischer Zeit wieder an Bedeutung, was sich in einer neuen Ansiedlung und einem Gräberfeld mit 60 erforschten Gräbern spiegelt. Im 10. Jahrhundert wurde schließlich eine Wallburg unbekannter Aufgabenstellung errichtet, teilweise den Rest des ehemaligen Römerkastellbereichs überlagernd, deren östlicher Wall mit vorgelagertem tiefem Graben noch gut zu erkennen ist. Die Wallburg könnte als Fliehburg während der Ungarnkriege bis 955 gedient haben, ebenso aber auch als örtlicher Verwaltungssitz, und zur Absicherung der Handelsstraßen und des Isarübergangs. Auf der Nordwestseite zieht unter der Wallburg die Rampe der ehemaligen mittelalterlichen Handelsstraße im Steilhang zur Hochfläche herauf. Wegen intensiver landwirtschaftlicher Nutzung sind die übrigen Wall- und Grabenteile der Anlage mit Ausnahme des östlichen Wall- und Grabenabschnitts völlig verschliffen.


Reliefansicht im BayernAtlas

Historie

ca. 70–120Römerkastell; das angrenzende Lagerdorf bestand anschließend noch bis ins 3. Jahrhundert weiter
10. Jh.Wallburg; vermutlich in Zusammenhang mit den Ungarnkriegen und zum Schutz der Handelsrouten.



Literatur und Quellen

  Gerhardt, I.: Archäologische Prospektion mit der Magnetik am Beispiel der mittelalterlichen Wallanlage von Moos-Burgstall, Landkreis Deggendorf, Niederbayern, Stuttgart
  Habel, Heinrich / Himen (Bearb.),  Helga, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege (Hrsg.): Denkmäler in Bayern - Ensembles, Baudenkmäler, Archäologische Geländedenkmäler: Band II Niederbayern, München 1985
  Pätzold, Johannes, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege (Hrsg.): Die vor- und frühgeschichtlichen Geländedenkmäler Niederbayerns, Kallmünz 1983, ISBN 3-7847-5090-7


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