Stadtbefestigung Straubing

Stadtbefestigung Straubing

Stadtbefestigung Straubing

Bereits in keltischer Zeit gab es im Bereich der heutigen Stadt Straubing ein befestigtes sogenanntes Oppidum, also eine befestigte Stadtsiedlung. Ihr folgten zwei römische Kastelle, von denen eines in einem bairischen Herzoghof des 6. bis 8. Jahrhunderts im Bereich der Kirche St. Peter seine Fortsetzung fand. Die heutige „Altstadt“ von Straubing ist historisch gesehen die 1218 durch die Wittelsbacher als Gegenpol zum dem damals zum Augsburger Domkapitel gehörende alten Straubing um St. Peter gegründete Straubinger „Neustadt“. Die mittelalterliche Stadtmauer dieser „Neustadt“ schützte ein annähernd rechteckiges Areal von zunächst ca. 23 ha, nach der spätmittelalterlichen nördlichen Erweiterung von ca. 26 ha, ergänzt durch das die Nordostecke erweiternde herzogliche Schloß. Zur Stadtmauer gehörten mehrere Wehrtürme und Stadttore, von denen die wichtigsten das Obere Tor (Westende des Marktplatzes), das Untere Tor (Ostende des Marktplatzes) und das Spitaltor (Mitte der Nordseite) waren – diese hatten jeweils einen Torturm und zur Verstärkung jeweils ein Vortor. Teilweise (weitgehend identisch mit jenen Bereichen, in denen der Stadtgraben geländebedingt kein Wasser führte) bestand die Stadtmauer aus einer äußeren und einer inneren Mauer mit dazwischen gelegenem Zwinger. Das Stadtmodell Jakob Sandtners von 1568 weist zwei Dutzend überwiegend vierseitige Mauertürme (einschließlich Tortürmen) der inneren Stadtmauer auf, dazu eine Reihe von die Außenmauerabschnitte verstärkenden Schalentürmen. Der Mauer vorgelagert war auf allen Seiten ein breiter Stadtgraben, teils wasserführend. Mit der Umleitung der Donau bis ans herzogliche Schloß um 1480 sorgte diese für zusätzlichen Schutz zumindest im Nordosten und wurde mit dem nördlichen Stadtgraben verbunden. Die am Salzstadel befindliche Bastion vor dem nördlichen Westteil des Schlosses diente gleichzeitig dem Hochwasserschutz, indem sie den Fluten Widerstand leisten und diese vom Schloß abhalten sollte.

Erhalten: Von der ersten Stadtmauer ist im Westen „Am Kinseherberg“ noch der Teil nördlich des verschwundenen Unteren Tores bis zum Weytterturm (Polizeiturm), und von dort nach Osten ein kleinerer Teil der nördlichen ersten Mauer erhalten (sichtbar vom Westteil der Straße „Unterm Rain“), teilweise sogar einschließlich des breiten steinernen Wehrgangs mit beiderseits steinerner Brüstung (nicht öffentlich zugänglich) – allerdings teils im späten 15. Jh. und nochmals im 16. Jh. ergänzt und erneuert. Zur einstigen ersten Stadtmauer gehört außerdem der heute ins Schloss integrierte Schlosstorturm, der schon vor dem Bau des Schlosses als Torturm der Stadtmauer existierte. Die nordwestliche Erweiterung der Stadtmauer in der 2. Hälfte des 15. Jh., die das Handwerkerviertel u. a. an den heutigen Straßen „Unterm Rain“ und „Weißgerbergasse“ in den Mauerring einbezog, steht noch in größeren Teilen auf der Westseite zwischen „Unterm Rain“ und dem Pulverturm als Nordwestecke, und von dort aus ostwärts bis zur auf zwei Mauertürme zurückgehenden Fronfeste und weiter bis zum Spitaltor. Ihm gegenüber lag auf der Südseite der Stadt das abgerissene Steinertor. Die westliche Schloßmauer, der Josephi-Turm (Agnes-Bernauer-Turm) und die Verbindungsmauer von diesem zum Salzstadel gehören gleichzeitig ebenfalls zur spätmittelalterlichen Stadtmauer. Die äußeren Stadtmauerabschnitte sind im Stadtbild nicht mehr direkt erkennbar.

Von den einstigen mittelalterlichen Stadttoren Straubings ist nur noch eines halbwegs in originalem Zustand erhalten: der Schlosstorturm als Zugang zum Schloss (und gleichzeitig einzigem noch stehendem Turm und Tor der im 14. Jh. vollendeten ersten Mauer), stark umgebaut außerdem auch noch das Spitaltor auf der Nordseite. Das Haupttor nach Osten (ehemaliges „Unteres Tor“) wurde 1810 durch eine symbolische klassizistische Toranlage (Ludwigstor) ersetzt. Von den einstigen Wallgräben rund um das mittelalterliche Straubing ist nur im Norden noch der Moosgraben als bescheidener Rest erhalten, ansonsten wurden die Gräben verfüllt und dienen heute teils als breite Straßenzüge rund um die Altstadt („Stadtgraben“ im Süden und Osten, „Am Kinseherberg“ im Westen) bzw. als Parkanlagen („Am Kinseherberg“ im Westen, „Moosgraben“ im Norden).

Historie

nach 1218 Beginn der Befestigung der herzoglichen Neugründung Straubings nach diesem Gründungsjahr (Details unbekannt)
1332 die Straubinger Stadtmauer wird als vollendet erwähnt
1356 Baubeginn des Herzogschlosses vor der Nordostecke der Stadtmauer, wobei Teile von dieser nun gleichzeitig als Schlossmauer gegen die Stadt dienten, umgekehrt verstärkte das Schloß die Stadtmauer im Nordosten
nach 1477 Erweiterung im Nordwesten zum Schutz des zunächst dort außerhalb der alten Stadtmauer entstandenen Handwerkerviertels, teilweise Ergänzung der Befestigung durch eine vorgelagerte äußere Mauer mit Schalentürmen und Zwinger zwischen dieser und der inneren Mauer
um 1480 Verlegung der Donau in einer Schleife bis vor die Nordmauer am Schloss, wodurch einerseits der Schutz der Stadt und andererseits die Kontrolle über die Schiffahrt auf der Donau verbessert wurde
16.Jh. Wiederaufbau der Stadtmauer
19.Jh. Beseitigung großer Teile der Stadtbefestigung, Einebnung der Gräben, Bau des klassizistischen symbolischen Ludwigstores anstelle des ehemaligen Unteren Tores

Bilder

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